Donnerstag, 21. Februar 2008

Auf meinem Plattenteller: Wernher von Braun: „mein Weg zum Mond“

Man glaubt es kaum, aber es hat tatsächlich mal deutsche Wissenschaftler von Weltrang gegeben. Kein anderer hat die technische Entwicklung in der Mitte des letzten Jahrhunderts so vorangetrieben, wie Wernher von Braun. Und wie das so ist, mit den Genialen dieser Erde, sie sind ambivalent unterwegs, sie verpflichten sich nur der Wissenschaft, nicht aber der Ideologie. So hatte von Braun massgeblichen Anteil an der Entwicklung der V1/V2 Serie im 2. Weltkrieg, für deren Herstellung er Heere von Zwangsarbeitern rekrutieren liess (wird natürlich auf dieser Platte geflissentlich verschwiegen). Als die Nazis Geschichte waren, zeigte sich, dass von Brauns Raketenkonstruktionen so bahnbrechend waren, dass er für die Amerikaner von so unschätzbarem Wert war, dass er, anstatt die sicher verdiente Strafe zu empfangen, sofort in deren strategische Programme eingebunden wurde und bald in leitender, ja führender Position Amerikas bemannten Sprung ins Weltall ermöglichte. Davon erzählt diese Platte von 1965 in bester bundesrepublikanischer Nachkriegs-Märchenonkel Art. Auch ein Interview mit Wernher von Braun darf natürlich nicht fehlen, worin dieser schon explizit auf die bevorstehende Mondlandung hinweist (hat sich, wie wir wissen ein klein wenig verzögert, dank der abgefackelten Apollo Mission 1967). Das ganze wird mit herrlichen Raketengeräuschen und Space Age Sounds untermalt. Was war das damals doch für eine spannende Aufbruchstimmung, verglichen mit dem Gejammer und Gegreine und der gesellschaftlichen Stagnation unserer Tage...
(Wernher von Braun: „Mein Weg zum Mond", Deutsche Vogue 1965, Preis: 19 DM)

Donnerstag, 7. Februar 2008

Die guten alten Zeiten – Teil 1

Ja, ja, jetzt sind wir langsam alt geworden, wir gehen in Clubs und sehen die jungen Kinder zu Musik rumspringen, die wir garnicht mehr verstehen, weil wir im hohen Frequenzbereich schon halb taub sind. Was waren das doch früher noch für Zeiten, als wir auf sogenannten „Indie-Parties" herumturnten und uns die Tanzfläche mit 5 Leuten teilten. Damals musste noch der auflegen, der am meisten Platten hatte und das war manchmal richtig lästig. Die Musik war tanzbar und aus England und hier so gut wie nicht bekannt, zumindest nicht bei dem MOR-Volk. Das änderte sich schlagartig, als seinerzeit Blur, Oasis und Pulp die Szene überrannten. Plötzlich war alles Indie, der letzte Bauer grölte zu den Hits und in den Diskotheken spielten irgendwelche Spassvögel das, was sie für „Brit-Pop" hielten. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert, ausser dass immer mehr Leute immer weniger Ahnung haben und sich zu „NewRaveFakePartyMucke" aus der Retorte und Pseudorock aus der Klamottenkiste vorkommen wie Julian Tabularasas oder Pete Dorothy oder all die anderen Idioten. Das ist zumindest in München so, der Hochburg der Möchtegerns und Arschkriecher, Nachmacher und Wiederkäuer. Aber was soll ich sagen ? Dass ich die besten Platten in Deutschland besitze ? Dass ich die Popmusik erfunden habe ? Oder dass ich der Bruder von Jimi Hendrix bin ? Stimmt zwar alles, aber tut nichts zur Sache. Ich schau mir lieber weiterhin das erbärmliche Treiben in dieser Stadt an und pfeife mir ein Liedchen auf meiner Uranmühle.