Man glaubt es kaum, aber es hat tatsächlich mal deutsche Wissenschaftler von Weltrang gegeben. Kein anderer hat die technische Entwicklung in der Mitte des letzten Jahrhunderts so vorangetrieben, wie Wernher von Braun. Und wie das so ist, mit den Genialen dieser Erde, sie sind ambivalent unterwegs, sie verpflichten sich nur der Wissenschaft, nicht aber der Ideologie. So hatte von Braun massgeblichen Anteil an der Entwicklung der V1/V2 Serie im 2. Weltkrieg, für deren Herstellung er Heere von Zwangsarbeitern rekrutieren liess (wird natürlich auf dieser Platte geflissentlich verschwiegen). Als die Nazis Geschichte waren, zeigte sich, dass von Brauns Raketenkonstruktionen so bahnbrechend waren, dass er für die Amerikaner von so unschätzbarem Wert war, dass er, anstatt die sicher verdiente Strafe zu empfangen, sofort in deren strategische Programme eingebunden wurde und bald in leitender, ja führender Position Amerikas bemannten Sprung ins Weltall ermöglichte. Davon erzählt diese Platte von 1965 in bester bundesrepublikanischer Nachkriegs-Märchenonkel Art. Auch ein Interview mit Wernher von Braun darf natürlich nicht fehlen, worin dieser schon explizit auf die bevorstehende Mondlandung hinweist (hat sich, wie wir wissen ein klein wenig verzögert, dank der abgefackelten Apollo Mission 1967). Das ganze wird mit herrlichen Raketengeräuschen und Space Age Sounds untermalt. Was war das damals doch für eine spannende Aufbruchstimmung, verglichen mit dem Gejammer und Gegreine und der gesellschaftlichen Stagnation unserer Tage...(Wernher von Braun: „Mein Weg zum Mond", Deutsche Vogue 1965, Preis: 19 DM)
