Dienstag, 20. November 2007

Doktor´s Techno Tipps:

Groove Rebels: Breakpoint
Schweine-Tech vom Feinsten. strammer Beat, rockiger Bass im 1/34 Stakkato Rhythums und ab und an ein schmieriges 80s Synthiekleister Riff zur Aufheiterung. Da tanzen sogar die Schaben in der Küche Walzer.



Nagano Kitchen – GSXR 810
Für einen in Technofragen absolut Ahnungslosen wie mich klingt das wie guter alter Oldschool Techno mit neuen Gerätschaften. Schnell, „verspult" und absolut privatdiskokompatibel. Unwiederstehlich der zweite Teil dieser Technooper, wenn das volle Getrommel zum massiven Finale einsetzt. Ein Tanzflächenfüller, ca. um 10 Uhr morgens zu spielen.


len faki – my black sheep (dub corps´ dub mix)
Minimaler technoider Terror mit maximaler Verschepperungsgarantie. Stimmfetzen und undefinierbarer Geräuschmüll untermalt von einem housigen Schummerbeat aus der Systemsoundküche. Das ist so richtig wunderbar böse und hat seine Wirkung in meiner Privatdisko nicht verfehlt...Eine Wahnsinnsnummer !

Buchtipp der Woche: Dschuang Dsi – Das wahre Buch vom südlichen Blütenland


für einen ungebildeten, erfolglosen Versager ohne Abitur, Ausbildung, geschweige denn Studium, wie ich einen darstelle, ist es naturgegeben schwer, den rechten Pfad der Weisheit zu beschreiten. Die philosophischen Werke neuester Zeit bleiben mir, des phrasierten Geschwafels Unkundigen, verschlossen und ich muss mich, Strebsamen nach geringer Bildung, mit den Werken der altertümlichen Denker befassen, bevor ich es wagen darf in das Elysium der wahren Philosphiestudenten vorzudringen. Und so kam es, dass mir rein zufällig das Werk des hervorragenden Denkers und Dichters Dschuang Dsi in die Hände fiel. Der erste Teil dieser Schrift, verfasst um 400 vor unserer Zeit vom Meister persönlich, ist eine der scharfsinnigsten und stilistisch perfektesten Arbeiten, die mein unwürdiges Auge je spähen durfte. Dieses zweite Hauptwerk des Taoismus (nach Lao Tse´s Tao te king) beschreibt in klarster Sprache die Befindlichkeiten des Menschen in seiner Umwelt und stellt in seiner genauen Beweisführung und seiner sprachlichen Eleganz einen bis zur Aufklärung nicht mehr erreichten Höhepunkt der Philosophie dar.
In unzähligen Gleichnissen befasst sich Dschuang Dsi mit der Wertigkeit des Menschen und der Sinnlosigkeit des Strebens nach irdischer Macht und humanoidem Konkurrenzverhalten. Geradezu sensationell ist hierbei, wie der Meister sich mit dem Sinn des menschlichen Lebens im Bezug zur Unendlichkeit beschäftigt und auch in der heutigen Philosophie noch relevante Grundsätze aufstellt. Während sich die alten Griechen Gedanken um den „Äther" und sonstigen Kram machten (Anaximander etc.), stellt Dschuang Dsi ungleich kühnere Gedankenmodelle auf, die erst wieder in der Aufklärung von Rousseau und Konsorten aufgegriffen wurden.
Es würde an dieser Stelle leider zu weit führen, eine konkrete Inhaltsangabe zu liefern, weshalb ich einem jeden das Studium dieses Buches nur allerwärmstens empfehlen kann.
Der zweite Teil dieses Werkes übrigens, verfasst von Dschuang Dsis Schülern zeigt dann wieder mal sehr deutlich das Dilemma der Herausragenden: Hier wird dann angefangen die kühnen Thesen des genialen Denkers zu relativieren und in Einklang mit dem mediokren Umfeld zu bringen...
(Dschuang Dsi – Das wahre Buch vom südlichen Blütenland/Anakonda Verlag 4,95 €)

Donnerstag, 15. November 2007

Platte des Monats: Jonah Matranga - and


da gehe ich also gestern zum Plattenladen, weil ich einen Techno brauche und finde diese unglaubliche Schallplatte... limitiert auf 295 Stück und ein Knüller nach dem anderen. Da ich leider nicht allzuviel Ahnung von Musik habe, weiss ich nicht, wie man diese Sorte der Klangerzeugung wohl nennen mag. amerikanischen Emofolkpop mit shoegazigem Countryeinschlag (siehe Mojave3) ? Egal, das hier ist so richtig grosse Kunst, sensationelles Songwriting, sparsam instrumentiert, schöne Texte aus der Wüste und ein Hit („are you sure"), der jede Tanzfläche sprengt (wenn man ihn nur auflegen könnte)... 8 1/2 Punkte, sofort kaufen !
(und zwar beim Resonanz für 12.99/ Jonah Matranga – and / Arctic Rodeo Rec.)

Sachen, die man unbedingt braucht: ein Megaphon

wenn mir mal wieder langweilig ist, weil ich keine Freunde hab, mit denen ich mich treffen könnte, oder wenn der Nachbar wieder so laut telefoniert, dass ich mein eigenes Geschrei nicht mehr verstehe, dann hole ich mein Mini-Megaphon von der Stange, schalte es ein, stelle es auf Übersteuerung und plärre was das Zeug hält. Ein wunderbares Gefühl, irgendwo zwischen Grisu dem Feuerwehrmann und Harry Hering vom Fischmarkt.
Ich kann den geneigten Lesern dementsprechend den Erwerb einer solchen Maschine nur wärmstens empfehlen, IHR zumindest werdet es nicht bereuen.
(Mini-Megaphon erworben für 9.90 € beim Conrad im OEZ)

Dienstag, 13. November 2007

kleine Namen – grosse Kunst, heute: Mars Bonfire


Vermutlich kennt so gut wie jeder Mensch den unsäglichen Steppenwolf Gossenschlager „born to be wild", ob aus der Metalerclique, aus der Dorfdisko oder dem nachmittäglichen Schundradio, sobald die primitiven Akkorde aus den Boxen dröhnen und das ddr-amerikanische Gegröle des Joachim Krautsalat alias John Kay anhebt, johlen alle mit. Kaum einer jedoch dürfte jemals etwas vom Autoren dieses Liedes, Dennis Edmonton alias Mars Bonfire, gehört haben, und noch weniger dürften wissen, dass eben dieser 1968 eine heute längst vergessene Perle psychedelischer Popmusik aufgenommen hat, auf der „born to be wild" in einer acid-seeligen Urversion enthalten ist, die jedem Wochenend-Biker das 2-takt Gemisch in der Fake-Harley gefrieren lässt.
Doch auch die übrigen Stücke auf dem Album sind absolut grandios und zeigen ein verkanntes Songwriter-Genie, das bekiffte Westcoast Balladen (so alive with love) oder bewusstseinserweiterte Orgel-Shaker (time to fly) genauso wie fiese Funk-Rocker mit Hymnencharakter (night time´s for you) wie selbstverständlich aus dem Ärmel schüttelt und auf zwei genialen LP Seiten virtuos instrumentiert.
Leider ging es Mars Bonfire genauso wie vielen anderen der wirklich Guten: er verschwand nach seinem Kurzaufenthalt bei Steppenwolf in der völligen Versenkung und niemals mehr wurde etwas von ihm gehört.
Und natürlich hatte er mit seiner „born to be wild" Version auch überhaupt keinen kommerziellen Erfolg, den sackte der relativ talentfreie Joachim Kay nebst den Liedrechten ein, lediglich der Titelsong „ride with me, baby", konnte damals niedrige lokale Chartsnotierungen verbuchen... Sic transit gloria mundi !

Didi Hallervorden –die Nervensäge, eine Sternstunde deutscher Vorabend Unterhaltung.



Was waren das für Zeiten, als die Welt noch in Ordnung war, der „Comedian" sich noch Komiker nannte und dabei auch noch komisch war, Zeiten, in denen die Halbe im Wirtshaus 1,80 DM gekostet hat und man voll Zuversicht in die westliche Welt blicken konnte, Zeiten, in denen ein politisch nicht korrekter Witz noch nicht das Exekutiv-Kommitee des allgemeinen deutschen Gutmenschenrates auf den Plan rief und man auf den 5 vorhandenen Kanälen (inklusive ORF 1&2 seelig) von depperten Spiel- und Gerichts- und Prekariatsverarschungsshows verschont blieb. In dieser guten alten, längst vergangenen und vergessenen Zeit, 1985-86, lief die sensationell erfolgreiche Serie „die Nervensäge" mit Didi Hallervorden. Die 26 teilige Geschichte dreht sich um den penetranten Untermieter Willi Böck (Didi), der sich bei einer unbescholtenen Dame (Rotraut Schindler) und deren Tochter Beatrice – „Trixi" (Nathalie Hallervorden) einnistet und unglaubliches Chaos stiftet. Egal ob Willi in seiner Bude Schnaps brennt, eine griechische Grossfamilie als Unter-Untermieter gegen Bares einquartiert oder ob er sich als Starreporter im Rotlichtmilieu versucht, alles endet stets in der größtmöglichen Katastrophe. Und obwohl Willi immer wieder aus dem Haus fliegt, schafft er es trotzdem stets aufs neue sich unter irrwitzigen Vorwänden wieder einzuschleichen und neuen Blödsinn auszuhecken.
Hallervorden überzeugt auch in dieser Serie wieder durch seinen einzigartigen Ausdruck und das hohe Nonsens-Potential des Charakters „Willi Böck", der buchstäblich zu überhaupt nichts anderem „nutze" ist, als Unfrieden zu stiften und infam zu nassauern. Genau wie „Nonstop Nonsens" stellt auch diese Serie ein von der deutschen Humorpolizei heute sträflich ignoriertes Unterhaltungs-Juwel beinahe britischer Prägung dar, welches den geneigten Freund des Spasses garantiert besser amüsieren wird, als alles hohle Phrasengedresche heutiger „Comedians", oder sonstiger Fliessband – Possenreisser, das uns allabendlich über die Mattscheibe terrorisiert.
(4 DVD Box Didi –Der Untermieter bei Turbine für ca 30 €)

Tolle Coverversionen, heute: Jesus & Mary Chain – Vegetable Man


Am Wochenende war ich mit ein paar alten Freunden in meiner Privat Disko auf der Aftershow Party beim Feiern. Nachdem ich meine werten Gäste bereits vier Stunden mit einer Spezial Britpop vs. Techno vs. Sixties Abreibung weichgespült hatte und ein recht verwirrt wirkender Gast in extatischen Ausdruckstanz verfallen war, suchte ich überall nach DEM ultimativen musikalischen Verstandesvernichter und Gehirnzerstörer, um die wahnsinnigen Gäste endlich zu vertreiben, um mich wieder meiner angestammten Tätigkeit als Universalversager widmen zu können. In der hintersten Ecke meiner Privatdisko wurde ich fündig: Jahrelang hatte ich es nicht mehr gesehen, das gute Stück, verschollen unter Manuskripten und Büchern voll mit schwarzer Magie, niemals mehr sollte es den Filz eines Plattentellers erblicken, niemals mehr unbescholtene Musikfreunde erschüttern, es sollte verbannt bleiben, bis zum Tage meiner Auferstehung als geachteter Deejay (ca. 10789 nach unserer Zeit). Nun lag sie da, die satanische erste Single von Jesus and Mary Chain, die B-Seite der Nummer, die den SynthiePoppern 1984 Schrauben übernatürlichen Lärms durch die Föhnfrisuren direkt ins Gehirn trieb und ein neues Zeitalter rockenden Gitarrenkrachs einläutete. Nun also, auf jener B-Seite von „upside down", dieser legendären ersten Single der Jesus and Mary Chain findet sich „vegetable man", im Original von Syd Barrett, DEM Pionier schräger Gitarrenklänge. Diese Nummer, Barretts letzter aktiver Beitrag für Pink Floyd, fiel seinerzeit bei EMI durch und wurde nicht veröffentlicht, weil sie zu „unkommerziell" war, euphemistisch gesprochen, in Wirklichkeit war/ist dieser Song ein absolutes Meisterwerk zwischen Genie und Wahnsinn und vermutlich eine der fiesesten Nummern, die je aufgenommen wurde. Wie dem auch sei, alleine ein solches Stück 1984 als B-Seite zu covern sagt alles aus über den Stellenwert der Jesus and Mary Chain in meinem Privat - Kosmos.
Die musikalische Umsetzung kann man nur als absolut bösartig beschreiben. Bohrmaschinenartige Gitarrenwände, komplett fertiger Gesang, mantraartige Wiederholungen des „vegetable man" Refrains, brutales Getrommel untermalt von dröhnendem Bassgehämmer, eine 100 db starke, 3 minütige Rockmusiktsunamiwelle rollte da über meine schockierten Gäste (und den empörten Nachbarn) hinweg, konsterniertes Schweigen und lähmendes Entsetzen danach. Doch gehen wollten sie immer noch nicht, die unegbetenen Gäste, sie forderten sogar lauthals mehr ! Aber auf so ein Gitarrenmassaker fiel selbst mir im Augenblick keinerlei Steigerung mehr ein, weshalb ich schliesslich alle rauswarf. Irgendwann muss ja auch in meiner Privatdisko mal Ruhe einkehren....
(Informationen für den Plattensammler: jesus and mary chain / upside down / creation 012 / Preis Erstpressung mit roter Schrift ca. 25 - 30 Pfund, Zweit- und Drittpressungen (blaue Schrift) zwischen 10 und 15 Pfund)

Donnerstag, 8. November 2007

Doktors Lieblingsplätze: Der grüne Baum







wo gibt es in München heute noch Orte traditioneller bayerischer Kultur, Orte an denen man ungezwungen Spezialitäten geniessen und Fleischberge und Innereien vorzugsweise von Schwein und Rind kostengünstig und ohne die Blicke neugieriger Touristen oder grölender, komasaufender Jugendlicher ventrikulär ablagern kann ? Orte, an denen sich jeden Abend der Stammtisch zum Schafkopfen trifft und das „ColaWeizen" noch „Neger" oder „Afrohalbe" heisst, wo man sich ungezwungen bei Obstler und Augustiner zum Kegelscheiben auf der traditionellen Holzbahn treffen kann und im Sommer den Abend im Biergarten bei Brotzeit und Gerstensaft im Kastanien umsäumten Gastgarten verbringt ? Rar sind sie geworden, diese Oasen bayerischer Lebensart, in der nördlichsten Stadt Preussens, die sich München nennt.
Der Grüne Baum in Obermenzing ist so ein Ort der Gemütlichkeit. Und deshalb gehe ich da jeden Mittwoch zum Essen, Trinken und Kartenspielen hin. Die Speisekarte bietet Gutbürgerliches zu vernünftigen Preisen, überwiegend bayerische Spezialitäten (Spanferkelherzen, saure Innereien, wie Niere oder Lunge) aber auch klassische Wirtshausgerichte wie Riesenschnitzel oder Bierbrauergulasch. Was soll ich mehr sagen, das Essen ist famos, die Bedienungen sehr aufmerksam, die Atmosphäre königlich und der Rausch meistens auch. Die Gaststube ist so gut wie jeden Tag sehr gut besucht, nur die allgegenwärtigen Müncher „Szenenasen" sucht man hier vergeblich, wie schön.

Buchtipp der Woche: Douglas Palmer die Ursprünge des Menschen


Dass der Mensch vom Affen abstammt kann man ja nun jeden Tag beobachten, dass dahinter aber eine enorm abnorme Entwicklungsprozedur vom „uh – uh – uh australopithecus" zum sprechenden Ober-Primaten namens Mensch steckt, ist nicht jedermann geläufig. Um diesen Entwicklungsprozessen auf den Grund zu gehen, sollte sich jeder Interessierte dieses höchst informative Buch zulegen. In anschaulicher Weise wird der Werdegang des Menschen vom winzigen Ursäuger „proconsul" zum anscheinend vernunftbegabten „homo sapiens sapiens" nachgezeichnet. ausführlich widmet sich der Autor solch interessanten Fragen, wie z.B. der isoliert lebende Neandertaler sein Genmaterial weitervererbt haben könnte, ohne Inzucht zu riskieren, oder was die eigentlichen Ursachen für die quantensprungartige kulturelle Entwicklung des werdenden Menschen waren. Aussagekräftige Graphiken und wissenschaftliche Photografien runden den überzeugenden Gesamteindruck ab. Für jedermann, der gerne Menschen in freier Wildbahn beobachten will, oder die seltsamen Verhaltensweisen dieser possierlichen Tiere besser zu verstehen plant, stellt dieses Buch eine unabdingbare Grundausrüstung zur Erforschung humanoiden Daseins auf diesem Planeten dar.
(erschienen 09/07 bei Bucher/ Preis 39,90€)

Bilder der Woche






Am Wochenende war ich mal wieder unterwegs in meiner Privatdisko, natürlich ausgestattet mit einem Photoapparat und dem aufmerksamen Blick des Sensationsreporters. Als ich so durch meinen Amüsierschuppen wanderte, fielen mir auf einmal diese beiden Gestalten auf.Es handelte sich dabei um Hermann M. Greislich und Halbblut Fuselfahne. Beide hingen engumschlungen im Separée herum und grölten einträchtig Indianerschlager (da sprach der alte Häuptling...). Ich zückte reflexartig die Kamera und fotografierte diese prächtigen Aushängeschilder juveniler Trunkenheit, um sie meinen Mitmenschen präsentieren zu können. Da wir uns in München befinden, suchten beide natürlich emsig das Objektiv des Photokünstlers, um in möglichst vorteilhafter Pose abgelichtet zu werden. Meine besten Arbeiten kann man nun hier bestaunen.