
Am Wochenende war ich mit ein paar alten Freunden in meiner Privat Disko auf der Aftershow Party beim Feiern. Nachdem ich meine werten Gäste bereits vier Stunden mit einer Spezial Britpop vs. Techno vs. Sixties Abreibung weichgespült hatte und ein recht verwirrt wirkender Gast in extatischen Ausdruckstanz verfallen war, suchte ich überall nach DEM ultimativen musikalischen Verstandesvernichter und Gehirnzerstörer, um die wahnsinnigen Gäste endlich zu vertreiben, um mich wieder meiner angestammten Tätigkeit als Universalversager widmen zu können. In der hintersten Ecke meiner Privatdisko wurde ich fündig: Jahrelang hatte ich es nicht mehr gesehen, das gute Stück, verschollen unter Manuskripten und Büchern voll mit schwarzer Magie, niemals mehr sollte es den Filz eines Plattentellers erblicken, niemals mehr unbescholtene Musikfreunde erschüttern, es sollte verbannt bleiben, bis zum Tage meiner Auferstehung als geachteter Deejay (ca. 10789 nach unserer Zeit). Nun lag sie da, die satanische erste Single von Jesus and Mary Chain, die B-Seite der Nummer, die den SynthiePoppern 1984 Schrauben übernatürlichen Lärms durch die Föhnfrisuren direkt ins Gehirn trieb und ein neues Zeitalter rockenden Gitarrenkrachs einläutete. Nun also, auf jener B-Seite von „upside down", dieser legendären ersten Single der Jesus and Mary Chain findet sich „vegetable man", im Original von Syd Barrett, DEM Pionier schräger Gitarrenklänge. Diese Nummer, Barretts letzter aktiver Beitrag für Pink Floyd, fiel seinerzeit bei EMI durch und wurde nicht veröffentlicht, weil sie zu „unkommerziell" war, euphemistisch gesprochen, in Wirklichkeit war/ist dieser Song ein absolutes Meisterwerk zwischen Genie und Wahnsinn und vermutlich eine der fiesesten Nummern, die je aufgenommen wurde. Wie dem auch sei, alleine ein solches Stück 1984 als B-Seite zu covern sagt alles aus über den Stellenwert der Jesus and Mary Chain in meinem Privat - Kosmos.
Die musikalische Umsetzung kann man nur als absolut bösartig beschreiben. Bohrmaschinenartige Gitarrenwände, komplett fertiger Gesang, mantraartige Wiederholungen des „vegetable man" Refrains, brutales Getrommel untermalt von dröhnendem Bassgehämmer, eine 100 db starke, 3 minütige Rockmusiktsunamiwelle rollte da über meine schockierten Gäste (und den empörten Nachbarn) hinweg, konsterniertes Schweigen und lähmendes Entsetzen danach. Doch gehen wollten sie immer noch nicht, die unegbetenen Gäste, sie forderten sogar lauthals mehr ! Aber auf so ein Gitarrenmassaker fiel selbst mir im Augenblick keinerlei Steigerung mehr ein, weshalb ich schliesslich alle rauswarf. Irgendwann muss ja auch in meiner Privatdisko mal Ruhe einkehren....
(Informationen für den Plattensammler: jesus and mary chain / upside down / creation 012 / Preis Erstpressung mit roter Schrift ca. 25 - 30 Pfund, Zweit- und Drittpressungen (blaue Schrift) zwischen 10 und 15 Pfund)