Donnerstag, 17. April 2008

Doktor und der Blues: John Dummer Band / II von 1969

Da ich sowieso nirgendswo mehr auflegen darf und nicht wie der gewöhnliche „Sixties-Deejay" mein sauer erschwindeltes Geld für angesagte „Diskotheken-Popsike-Party Hitsingles" ausgeben muss, kann ich es mir erlauben auch seltsame Musik, wie z.B. britische Blues Platten, zu sammeln.
Man möchte ja meinen, dass englische, weisse Musiker, die schwarze Musik aus den Staaten nachspielten ungefähr so bescheuert gewesen sein müssen, wie heute diese deutschen Gitarrenbands, die auf höchst lächerliche Weise versuchen so zu klingen, wie ihre angloamerikanischen Vorbilder. Aber dem ist nicht so, wie z.B. das zweite Album der John Dummer Band eindrucksvoll zeigt. Das ist richtig schöner Chicago Blues mit kompetenten Slide-Soli, hervorragend arrangiert und stimmig interpretiert von Gitarrist und Sänger Dave Kelly. John Dummer, der Schlagzeuger und Bandleader stammt aus dem Groundhogs Umfeld, wohin auch der erste Gitarrist, Tony McPhee abwanderte.
Anspieltipp: der „Beer & Booze Blues" auf Seite 2, genau das Richtige für den Freund der Musik- und Trinkkultur.
(John Dummer Band / Mercury 1969/ Preis je nach Zustand ca. 250 – 500 €)

Buch der Woche: North Korean Posters

Ich muss es leider zugeben, dass ich ein grosser Fan von Nord Korea bin, nein, nein, liebe Gutmenschen, den bösen Kim Jong Il und sein Terrorregime finde ich ganz furchtbar, genauso wie ich für „Free Tibet" bin und Liebe für alle fordere.
Aber leider fasziniert mich gerade Nord Korea und seine völlig grössenwahnsinnige im Stalinismus stehengebliebene Kunst & Architektur dennoch ganz ungemein. Ich muss gestehen, dass ich jedes verfügbare Buch über dieses Land studierte und die meisten davon selbst in meiner bescheidenen Bibliothek stehen habe. Desperat habe ich jedoch darauf gewartet, dass endlich mal ein Bildband mit diesen wunderbar verrückten mangaähnlichen Propaganda Plakaten erscheint. Nun endlich erschien im Prestel Verlag das vorliegende Buch für 19,95 € und übertrifft jede Erwartung. Sauber geordnet in Themenbereiche wie „constructing the people´s paradise" oder „defending the revolution" wird ein farbenprächtiges Panoptikum steinzeitkommunistischer Parolen und Transparente gezeigt. Das ist so wunderbar absurd und paranoid übergeschnappt, man hält es nicht für möglich. Ganz besonders gelungen sind die teilweise wahnwitzig komischen Anti-Amerika Karikaturen. Nur die Leute in Nord Korea finden das alles vermutlich nicht so lustig... Aber das ist dann wieder ein Job für Euch, liebe Gutmenschen !

Freitag, 4. April 2008

SIngles der Woche


does it offend you yeah ? – we are rock stars
also die A-Seite ist ein wenig lahm und komisch (nach 6 Aventinus geht`s aber). die B-Seite, sozusagen die A-Seite nur eben von Bloc Party remixed ist dafür aber ein gnadenloser Knüller, der aus jedem Gitarrenschwein eine Elektrosau macht. Sowas finden wir gut, tobende Prolobeats mit Fuzzbässen und Vokodergeheul. Mann, das geht voll steil, wenn man betrunken ist !!



king creosote – admiral
wenn draussen der Nikolaus steht und mir mal wieder nix bringen will, oder wenn ich beim Fussballmanager eine weitere kapitale Niederlagenserie hingelegt habe, dann steht mein Sinn nach Alkohol und schwermütiger Folkmusik. Da scheint mir diese Single genau das richtige zu sein. Besser ist nur noch die B-Seite (bleak midwinter), eine elektronisch aufgeschepperte Nummer, bisschen wie das Postal Service oder Electric Presidents Zeugs. Leider leiert sie auf meinem Plattenspieler, aber das fällt nicht weiter auf, wenn man betrunken ist !



clinic – the witch
nach zuletzt eher schwächeren Scheiben rückt clinic endlich mal wieder mit einer richtig üblen Psychedelik-Rock Single rüber, ein hervorragender spät 60er rip off, bösartiges Phasergemurmel inklusive. Das gefällt dem Hörer. Und auch die „Earl Mallard" genannte B-Seite ist herrlich geisteskrankes Psycho Gedröhne... Lustig, besonders wenn man betrunken ist !

Meeressäuger – das ultimative Bestimmungsbuch für den Meerestierfreund

Darauf hat die Fachwelt lange gewartet: ein kompaktes, hochkompetentes Buch zur sicheren Bestimmung der mammalischen Meeresbewohner. Egal, ob man sich auf einer Kreuzfahrt befindet und herausfinden will, ob es sich bei den beständig auf der Suche nach Abfällen um das Schiff streichenden Quälgeistern um Zügeldelfine oder doch eher um gemeine Tümmler handelt, oder ob einem im Urlaub vielleicht ein Walross oder doch nur Tante Helga über den Weg kriecht, mit diesem schön bebilderten und sehr ausführlichen Bestimmbuch weiss man immer woran man ist (bei Eisbären ist übrigens erhöhte Vorsicht geboten) ! Das Buch, gestern erst erschienen, befindet sich auf dem aktuellen Stand der Forschung und besticht durch sein Faktenreichtum. Da erfährt man dann Interessantes über endemische Artentwicklungen oder Blau- und Seiwale, die untereinander zeugungsfähig sind und gar lebensfähige Bastardwale fabrizieren, erstaunlich auch, wie alt so manche Wale werden, da sind 80 Jahre keine Seltenheit. Auf meiner nächsten Polarexpidition wird dieses Buch jedenfalls sicher untentbehrlich werden, wenn es wieder auf hohe See geht...
(shirihai/jarrett – Meeressäuger, alle 129 Arten/Kosmos Verlag 29.90 €)

Nahrungsmittel der Woche: Ilchester Beer Cheese

In Grossbritannien gibt es kulinarisch allerhand zu entdecken, auch wenn das der bornierte Kontinentaleuropäer immer noch nicht wahrhaben will. Gerade die englischen Käsesorten stellen in ihrer unüberschaubaren Vielfalt ein hochinteressantes Betätigungsfeld für jederlei verfressenen Menschen dar. Gestern schwatzte mir mein Käsehändler den „traditionellen Bier Käse aus Ilchester/Somerset" auf, einen in Starkbier gereiften Cheddar im Wachsmantel. Und ich muss sagen, ein erstaunlich schmackhaftes Produkt, dessen würzige Biernote im Abgang klar am Gaumen vermerkbar ist. Dazu passt am besten ein herzhaftes Schwarzbrot mit Kümmel (auf keinen Fall diese labbrige englische Weissbrotkacke !!) und eine ordentliche Pulle Cider (und natürlich Fussball in der Glotze - Bayer 04 olé olé))...

Donnerstag, 3. April 2008

Nach langer Pause, endlich wieder Beiträge für das Magazin !

Ich muss mich bei meinen zahlreichen Lesern aus aller Welt für meine Faulheit den Schreibprozess für dies Magazin betreffend, entschuldigen. Aber, wie Sie, liebe Leser, anhand der beigefügten Daguerreotopie unschwer erkennen können, habe ich mich im letzten Monat ein wenig intellektualisiert. Dazu habe ich mir zur 800 Jahr Feier der Studentenrevolten einen original Ludwig Dutschke Muff-Pullover und eine starke Reinhard Langhans Brille (Fielmann) besorgt. Leider habe ich meine Original 1968 Mao-Bibel (siehe auch Spongebob-Schlägerserie von 2005) für Adolfs „Mein Kampf" auf der Schriftenbörse eingetauscht, weshalb ich leider für das Foto auf diesen formschönen Schlumpfband zurückgreifen musste. Aber da steht immerhin Frankfurter Allgemeine vorne drauf. Es lebe die Revolution für ewig, ihr bürgerlichen Charaktermasken !

Das müssen Sie gesehen haben: DUMONT´s „China Art Book“

Schön langsam spricht es sich auch in europäischen Breiten herum, dass China mehr zu bieten hat, als knüppelnde Kommis und Hühnchen Chop Suey. So verfügt China über eine boomende Literaturszene, deren Speerspitzen wie Yan Lianke oder Jin Ha hier gerade so langsam ein wenig bekannt werden. Noch faszinierender ist jedoch die unglaublich vielfältige junge chinesische Kunstszeneria. Um sich einen groben Überblick zu verschaffen, sei dem Interessierten das opulente „China Art Book" aus dem DUMONT Verlag empfohlen. In ausführlicher Weise wird dort auf das Schaffen von 81 (wenn ich mich nicht verzählt habe) herrausragenden chinesischen Künstlern und Gestaltern eingegangen. So reicht das Spektrum von subversiver „Propaganda" Malerei bis zu völlig anarchistischen Video Installationen. Milde Systemkritik trifft auf irrwitzige Tierskulpturen (aufgeblasene blaue Schafe und gelbe Ziegen !), wahnwitzige Anzeigenkampagnen auf verfremdete Mao Büsten... Ob so viel Innovation und Kreativität wird dem arroganten Europäer ganz komisch zumute und angsterfüllt fragt er sich, was denn wohl erst in der Kulturszene los wäre, wenn die Chinesen ohne staatliche Kontrollen auf die (Kunst)-Welt losgelassen würden...

endlich wieder erhältlich: Iwan S. Turgenjews Unheimliche Geschichten

Es ist mittlerweile ja gang und gäbe, dass in Deutschland, dessen Einwohner es ohne jede Selbstironie als „Land der Dichter und Denker" bezeichnen, eine Vielzahl weltliterarischer Schriften nicht oder nurmehr sehr schwer erhältlich sind. Gerade die von mir hochgeschätzte Literatur des 19 Jahrhunderts fristet mittlerweile ein trauriges Dasein in den Verfügbarkeitslisten der Verlage. Eine Freude geradezu, dass sich nun der dtv getraut hat, Iwan Turgenjews Unheimliche Geschichten wieder zu veröffentlichen. Was soll ich gross zu diesem russischen Meister der Novelle verkünden, dessen Ruhm leider immer ein wenig hinter Tolstoi oder Dostojewskij zurückblieb...
Ich kann nur sagen: Ich habe mir das Buch sofort erworben, bin nach Hause geflitzt, heim an den Kamin, respektive die brennende Mülltonne, habe mir einen steifen Wodkadrink gezaubert und bin hineingesunken in diese wundervolle, vergruselte Atmosphäre und meine Seele konnte erst in Frieden wieder ruhn, als meine fiebrige Hand die letzte Seite geblättert hatte und zittrigen Fingers den Deckel um die Seiten schloss.