Freitag, 9. Mai 2008

New York Pro Musica / Medieval Roots (1971 – decca)

Neulich, als ich meinen Gartenschuppen ausräumte, fiel mir diese Platte in die Hände. Es handelt sich hier um eine sehr interessante, mit authentischen Instrumenten aufgenommene Platte mit spätmittelalterlichen Stücken. So kann man hier seltenen Aufnahmen französischen Minnesangs und spanischer Hofdichtung lauschen, untermalt vom fast schon psychedelischen Klang der Gambe oder des Psalteriums... Überhaupt ist die Vielzahl der verwendeten und heut kaum noch bekannten mittelalterlichen Klangwerkzeuge höchst beachtlich.
Allerdings sind auf dieser Platte auch Werke der Frührenaissance zu hören (Heinrich Isaac´s Choral „in meinem sinn" etwa), was das Thema ein wenig verfehlt. Aber das darf man den Amerikanern nicht zum Vorwurf machen, die haben es ja nur gut gemeint.

Donnerstag, 17. April 2008

Doktor und der Blues: John Dummer Band / II von 1969

Da ich sowieso nirgendswo mehr auflegen darf und nicht wie der gewöhnliche „Sixties-Deejay" mein sauer erschwindeltes Geld für angesagte „Diskotheken-Popsike-Party Hitsingles" ausgeben muss, kann ich es mir erlauben auch seltsame Musik, wie z.B. britische Blues Platten, zu sammeln.
Man möchte ja meinen, dass englische, weisse Musiker, die schwarze Musik aus den Staaten nachspielten ungefähr so bescheuert gewesen sein müssen, wie heute diese deutschen Gitarrenbands, die auf höchst lächerliche Weise versuchen so zu klingen, wie ihre angloamerikanischen Vorbilder. Aber dem ist nicht so, wie z.B. das zweite Album der John Dummer Band eindrucksvoll zeigt. Das ist richtig schöner Chicago Blues mit kompetenten Slide-Soli, hervorragend arrangiert und stimmig interpretiert von Gitarrist und Sänger Dave Kelly. John Dummer, der Schlagzeuger und Bandleader stammt aus dem Groundhogs Umfeld, wohin auch der erste Gitarrist, Tony McPhee abwanderte.
Anspieltipp: der „Beer & Booze Blues" auf Seite 2, genau das Richtige für den Freund der Musik- und Trinkkultur.
(John Dummer Band / Mercury 1969/ Preis je nach Zustand ca. 250 – 500 €)

Buch der Woche: North Korean Posters

Ich muss es leider zugeben, dass ich ein grosser Fan von Nord Korea bin, nein, nein, liebe Gutmenschen, den bösen Kim Jong Il und sein Terrorregime finde ich ganz furchtbar, genauso wie ich für „Free Tibet" bin und Liebe für alle fordere.
Aber leider fasziniert mich gerade Nord Korea und seine völlig grössenwahnsinnige im Stalinismus stehengebliebene Kunst & Architektur dennoch ganz ungemein. Ich muss gestehen, dass ich jedes verfügbare Buch über dieses Land studierte und die meisten davon selbst in meiner bescheidenen Bibliothek stehen habe. Desperat habe ich jedoch darauf gewartet, dass endlich mal ein Bildband mit diesen wunderbar verrückten mangaähnlichen Propaganda Plakaten erscheint. Nun endlich erschien im Prestel Verlag das vorliegende Buch für 19,95 € und übertrifft jede Erwartung. Sauber geordnet in Themenbereiche wie „constructing the people´s paradise" oder „defending the revolution" wird ein farbenprächtiges Panoptikum steinzeitkommunistischer Parolen und Transparente gezeigt. Das ist so wunderbar absurd und paranoid übergeschnappt, man hält es nicht für möglich. Ganz besonders gelungen sind die teilweise wahnwitzig komischen Anti-Amerika Karikaturen. Nur die Leute in Nord Korea finden das alles vermutlich nicht so lustig... Aber das ist dann wieder ein Job für Euch, liebe Gutmenschen !

Freitag, 4. April 2008

SIngles der Woche


does it offend you yeah ? – we are rock stars
also die A-Seite ist ein wenig lahm und komisch (nach 6 Aventinus geht`s aber). die B-Seite, sozusagen die A-Seite nur eben von Bloc Party remixed ist dafür aber ein gnadenloser Knüller, der aus jedem Gitarrenschwein eine Elektrosau macht. Sowas finden wir gut, tobende Prolobeats mit Fuzzbässen und Vokodergeheul. Mann, das geht voll steil, wenn man betrunken ist !!



king creosote – admiral
wenn draussen der Nikolaus steht und mir mal wieder nix bringen will, oder wenn ich beim Fussballmanager eine weitere kapitale Niederlagenserie hingelegt habe, dann steht mein Sinn nach Alkohol und schwermütiger Folkmusik. Da scheint mir diese Single genau das richtige zu sein. Besser ist nur noch die B-Seite (bleak midwinter), eine elektronisch aufgeschepperte Nummer, bisschen wie das Postal Service oder Electric Presidents Zeugs. Leider leiert sie auf meinem Plattenspieler, aber das fällt nicht weiter auf, wenn man betrunken ist !



clinic – the witch
nach zuletzt eher schwächeren Scheiben rückt clinic endlich mal wieder mit einer richtig üblen Psychedelik-Rock Single rüber, ein hervorragender spät 60er rip off, bösartiges Phasergemurmel inklusive. Das gefällt dem Hörer. Und auch die „Earl Mallard" genannte B-Seite ist herrlich geisteskrankes Psycho Gedröhne... Lustig, besonders wenn man betrunken ist !

Meeressäuger – das ultimative Bestimmungsbuch für den Meerestierfreund

Darauf hat die Fachwelt lange gewartet: ein kompaktes, hochkompetentes Buch zur sicheren Bestimmung der mammalischen Meeresbewohner. Egal, ob man sich auf einer Kreuzfahrt befindet und herausfinden will, ob es sich bei den beständig auf der Suche nach Abfällen um das Schiff streichenden Quälgeistern um Zügeldelfine oder doch eher um gemeine Tümmler handelt, oder ob einem im Urlaub vielleicht ein Walross oder doch nur Tante Helga über den Weg kriecht, mit diesem schön bebilderten und sehr ausführlichen Bestimmbuch weiss man immer woran man ist (bei Eisbären ist übrigens erhöhte Vorsicht geboten) ! Das Buch, gestern erst erschienen, befindet sich auf dem aktuellen Stand der Forschung und besticht durch sein Faktenreichtum. Da erfährt man dann Interessantes über endemische Artentwicklungen oder Blau- und Seiwale, die untereinander zeugungsfähig sind und gar lebensfähige Bastardwale fabrizieren, erstaunlich auch, wie alt so manche Wale werden, da sind 80 Jahre keine Seltenheit. Auf meiner nächsten Polarexpidition wird dieses Buch jedenfalls sicher untentbehrlich werden, wenn es wieder auf hohe See geht...
(shirihai/jarrett – Meeressäuger, alle 129 Arten/Kosmos Verlag 29.90 €)

Nahrungsmittel der Woche: Ilchester Beer Cheese

In Grossbritannien gibt es kulinarisch allerhand zu entdecken, auch wenn das der bornierte Kontinentaleuropäer immer noch nicht wahrhaben will. Gerade die englischen Käsesorten stellen in ihrer unüberschaubaren Vielfalt ein hochinteressantes Betätigungsfeld für jederlei verfressenen Menschen dar. Gestern schwatzte mir mein Käsehändler den „traditionellen Bier Käse aus Ilchester/Somerset" auf, einen in Starkbier gereiften Cheddar im Wachsmantel. Und ich muss sagen, ein erstaunlich schmackhaftes Produkt, dessen würzige Biernote im Abgang klar am Gaumen vermerkbar ist. Dazu passt am besten ein herzhaftes Schwarzbrot mit Kümmel (auf keinen Fall diese labbrige englische Weissbrotkacke !!) und eine ordentliche Pulle Cider (und natürlich Fussball in der Glotze - Bayer 04 olé olé))...

Donnerstag, 3. April 2008

Nach langer Pause, endlich wieder Beiträge für das Magazin !

Ich muss mich bei meinen zahlreichen Lesern aus aller Welt für meine Faulheit den Schreibprozess für dies Magazin betreffend, entschuldigen. Aber, wie Sie, liebe Leser, anhand der beigefügten Daguerreotopie unschwer erkennen können, habe ich mich im letzten Monat ein wenig intellektualisiert. Dazu habe ich mir zur 800 Jahr Feier der Studentenrevolten einen original Ludwig Dutschke Muff-Pullover und eine starke Reinhard Langhans Brille (Fielmann) besorgt. Leider habe ich meine Original 1968 Mao-Bibel (siehe auch Spongebob-Schlägerserie von 2005) für Adolfs „Mein Kampf" auf der Schriftenbörse eingetauscht, weshalb ich leider für das Foto auf diesen formschönen Schlumpfband zurückgreifen musste. Aber da steht immerhin Frankfurter Allgemeine vorne drauf. Es lebe die Revolution für ewig, ihr bürgerlichen Charaktermasken !

Das müssen Sie gesehen haben: DUMONT´s „China Art Book“

Schön langsam spricht es sich auch in europäischen Breiten herum, dass China mehr zu bieten hat, als knüppelnde Kommis und Hühnchen Chop Suey. So verfügt China über eine boomende Literaturszene, deren Speerspitzen wie Yan Lianke oder Jin Ha hier gerade so langsam ein wenig bekannt werden. Noch faszinierender ist jedoch die unglaublich vielfältige junge chinesische Kunstszeneria. Um sich einen groben Überblick zu verschaffen, sei dem Interessierten das opulente „China Art Book" aus dem DUMONT Verlag empfohlen. In ausführlicher Weise wird dort auf das Schaffen von 81 (wenn ich mich nicht verzählt habe) herrausragenden chinesischen Künstlern und Gestaltern eingegangen. So reicht das Spektrum von subversiver „Propaganda" Malerei bis zu völlig anarchistischen Video Installationen. Milde Systemkritik trifft auf irrwitzige Tierskulpturen (aufgeblasene blaue Schafe und gelbe Ziegen !), wahnwitzige Anzeigenkampagnen auf verfremdete Mao Büsten... Ob so viel Innovation und Kreativität wird dem arroganten Europäer ganz komisch zumute und angsterfüllt fragt er sich, was denn wohl erst in der Kulturszene los wäre, wenn die Chinesen ohne staatliche Kontrollen auf die (Kunst)-Welt losgelassen würden...

endlich wieder erhältlich: Iwan S. Turgenjews Unheimliche Geschichten

Es ist mittlerweile ja gang und gäbe, dass in Deutschland, dessen Einwohner es ohne jede Selbstironie als „Land der Dichter und Denker" bezeichnen, eine Vielzahl weltliterarischer Schriften nicht oder nurmehr sehr schwer erhältlich sind. Gerade die von mir hochgeschätzte Literatur des 19 Jahrhunderts fristet mittlerweile ein trauriges Dasein in den Verfügbarkeitslisten der Verlage. Eine Freude geradezu, dass sich nun der dtv getraut hat, Iwan Turgenjews Unheimliche Geschichten wieder zu veröffentlichen. Was soll ich gross zu diesem russischen Meister der Novelle verkünden, dessen Ruhm leider immer ein wenig hinter Tolstoi oder Dostojewskij zurückblieb...
Ich kann nur sagen: Ich habe mir das Buch sofort erworben, bin nach Hause geflitzt, heim an den Kamin, respektive die brennende Mülltonne, habe mir einen steifen Wodkadrink gezaubert und bin hineingesunken in diese wundervolle, vergruselte Atmosphäre und meine Seele konnte erst in Frieden wieder ruhn, als meine fiebrige Hand die letzte Seite geblättert hatte und zittrigen Fingers den Deckel um die Seiten schloss.

Donnerstag, 21. Februar 2008

Auf meinem Plattenteller: Wernher von Braun: „mein Weg zum Mond“

Man glaubt es kaum, aber es hat tatsächlich mal deutsche Wissenschaftler von Weltrang gegeben. Kein anderer hat die technische Entwicklung in der Mitte des letzten Jahrhunderts so vorangetrieben, wie Wernher von Braun. Und wie das so ist, mit den Genialen dieser Erde, sie sind ambivalent unterwegs, sie verpflichten sich nur der Wissenschaft, nicht aber der Ideologie. So hatte von Braun massgeblichen Anteil an der Entwicklung der V1/V2 Serie im 2. Weltkrieg, für deren Herstellung er Heere von Zwangsarbeitern rekrutieren liess (wird natürlich auf dieser Platte geflissentlich verschwiegen). Als die Nazis Geschichte waren, zeigte sich, dass von Brauns Raketenkonstruktionen so bahnbrechend waren, dass er für die Amerikaner von so unschätzbarem Wert war, dass er, anstatt die sicher verdiente Strafe zu empfangen, sofort in deren strategische Programme eingebunden wurde und bald in leitender, ja führender Position Amerikas bemannten Sprung ins Weltall ermöglichte. Davon erzählt diese Platte von 1965 in bester bundesrepublikanischer Nachkriegs-Märchenonkel Art. Auch ein Interview mit Wernher von Braun darf natürlich nicht fehlen, worin dieser schon explizit auf die bevorstehende Mondlandung hinweist (hat sich, wie wir wissen ein klein wenig verzögert, dank der abgefackelten Apollo Mission 1967). Das ganze wird mit herrlichen Raketengeräuschen und Space Age Sounds untermalt. Was war das damals doch für eine spannende Aufbruchstimmung, verglichen mit dem Gejammer und Gegreine und der gesellschaftlichen Stagnation unserer Tage...
(Wernher von Braun: „Mein Weg zum Mond", Deutsche Vogue 1965, Preis: 19 DM)

Donnerstag, 7. Februar 2008

Die guten alten Zeiten – Teil 1

Ja, ja, jetzt sind wir langsam alt geworden, wir gehen in Clubs und sehen die jungen Kinder zu Musik rumspringen, die wir garnicht mehr verstehen, weil wir im hohen Frequenzbereich schon halb taub sind. Was waren das doch früher noch für Zeiten, als wir auf sogenannten „Indie-Parties" herumturnten und uns die Tanzfläche mit 5 Leuten teilten. Damals musste noch der auflegen, der am meisten Platten hatte und das war manchmal richtig lästig. Die Musik war tanzbar und aus England und hier so gut wie nicht bekannt, zumindest nicht bei dem MOR-Volk. Das änderte sich schlagartig, als seinerzeit Blur, Oasis und Pulp die Szene überrannten. Plötzlich war alles Indie, der letzte Bauer grölte zu den Hits und in den Diskotheken spielten irgendwelche Spassvögel das, was sie für „Brit-Pop" hielten. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert, ausser dass immer mehr Leute immer weniger Ahnung haben und sich zu „NewRaveFakePartyMucke" aus der Retorte und Pseudorock aus der Klamottenkiste vorkommen wie Julian Tabularasas oder Pete Dorothy oder all die anderen Idioten. Das ist zumindest in München so, der Hochburg der Möchtegerns und Arschkriecher, Nachmacher und Wiederkäuer. Aber was soll ich sagen ? Dass ich die besten Platten in Deutschland besitze ? Dass ich die Popmusik erfunden habe ? Oder dass ich der Bruder von Jimi Hendrix bin ? Stimmt zwar alles, aber tut nichts zur Sache. Ich schau mir lieber weiterhin das erbärmliche Treiben in dieser Stadt an und pfeife mir ein Liedchen auf meiner Uranmühle.

Donnerstag, 31. Januar 2008

Bücher lesen mit Doktor – diesmal: allerlei über Japan .

Neulich schaute ich rein zufällig in ein Buchgeschäft und fand dort ein hochinteressantes Buch über Japan und seine Kultur; eine, wie selbst ich als Kunstbanause zugeben muss, extrem gelungene kulturphilosophische Abhandlung des anscheinend recht bekannten italienischen Nippon-Kenners Professor Gian Carlo Calza. Mit geradezu betörenden Texten führt der Meister ein in die für den Europäer nur sehr schwer verständlichen Finessen japanischer Literatur,Spielarten des Theaters,Ritualisierung der Botanik und minimalistischer Kunst. Sparsam illustriert, mit genialen Fotografien und Grafiken ist dieses Werk ein Schinken, den sich jeder Freund des Landes der aufgehenden Sonne unbedingt anschaffen sollte.
(Japan Stil / phaidon verlag 2007 49,90€)

In diesem Zusammenhang sei auch das Kompendium „das alte Japan" aus dem Jahr 1871 (also kurz nach der sog. „Meiji" Restauration von 1867) empfohlen, das der britische Botschaftsattaché A.B. Mitford auf seinen landeskundlichen Entdeckungsreisen zusammenstellte. Die alten Legenden (von denen wir heute einige in Manga Versionen kennen) und die beeindruckenden Schilderungen der Sitten und Gebräuche machen dieses Werk zur Pflichtlektüre für den Japan Freund.
(Anakonda Verlag 2007/dt. übersetzung von 1921/ 9,90€)
Abschliessend sei noch das weltberühmte „Kopfkissenbuch" der Hofdame Sei Shonagon aus der Zeit von 1000-1010 unserer Zeit erwähnt. Eine in ihrer stilistischen Modernität und ihrer Emotionalität für diese Zeit absolut herausragende Schrift. Die Dame porträtiert mit spitzer Zunge ihre Erlebnisse am kaiserlichen Hof der Heian Ära. Dieses Buch ist auch heute noch einer der Klassiker der japanischen Literatur.
(marix verlag 9.90€)

Montag, 28. Januar 2008

Doktor´s geheime Vorlieben - Teil 1: Pornoplatten

Na schön, ich gebe es ja zu, ich bin ein hässlicher, unattraktiver Schwerenöter, der seit über 7 Jahren keine Beziehung mehr geführt hat und auch sonst nichts dergleichen bewerkstelligt. Frauen mögen mich nicht, Männer auch nicht, was soll man da dann anderes machen, als sich dem Genre des Porno-Schlagers zuzuwenden, um wenigstens ein kleines bisschen am „Sexleben“
teilzuhaben. Natürlich stellt es für einen impotent gesoffenen, gefühllos gefeierten
Zombie wie mich nun keinerlei Problem dar, für immer auf diesen ganzen Beziehungs- und Sexquatsch zu verzichten (ich habe diesbezüglich sogar um ein schönes, warmes Zimmer für meinen Lebensabend gewettet), um jedoch nicht ganz aus der mentalen Übung zu kommen, habe ich mir Anschauungsplatten & Bücher aus der Zeit der sexuellen Revolution beschafft. So kann ich nun jeden Abend in Günther Amendt´s Klassiker „Sexfront“ (1969) blättern, während ich dazu gemütlich Porno-Musik höre. Natürlich darf da zur Auflockerung auch meine Lieblingsgruppe, die „3 Besoffskis“ nicht fehlen. Da braucht man nichtmal mehr ne Gummipuppe !

Montag, 7. Januar 2008

Hässliches München – Fotoserie Teil 1

München ist für fast jeden der Inbegriff der erfolgreichen, lebenswerten und schönen Stadt, ein Heer von reichen, hübschen, intelligenten Menschen bevölkert die bayerische Kapitale, immer auf der Suche nach dem allerneuesten „In-Treffpunkt" und der angesagtesten Ecke. In unendlichen Wiederholungen preisen die Stadtmagazine Münchens interessanteste Orte, wo der Fremde garantiert von illustrer Prominenz flankiert, teilhaben kann an der berühmten bayerischen Gemütlichkeit. Die Weltstadt mit Kommerz ist daher in den letzten Jahren ein Anziehungspunkt für allerlei schummriges Volk geworden, das sich auch einmal im Leben vom sprunghaften Schein dieser Laterna Magica bestrahlen lassen möchte.
Wir haben uns daher entschlossen, mal hinter den gleissenden Fassaden nach dem wahren Herz dieser Stadt zu suchen und entdeckten dabei nur Betonwüsten, Reissbrettkästen, Leuchtreklamen und Treppenfluchten, menschenleer, entseelt, ein westliches Pjöngjang, unwirklich aufragend unter dem fahlen Himmel. Bar der Reichen und Schönen, der Motten und Falter, die erst zu nächtlicher Stunde steriles Leben in die Plätze tragen, liegt München in scheintoter Stille, seine vielzähligen steinernen Gerippe sehnen der Nacht, die Hässlichkeit zu bedecken.
Eine kleine Auswahl der Motive ist nun unten zu sehen, ein weiterer Teil befindet sich auf meiner „myspace"-Seite, mehr werden in Kürze folgen

Hässliches München – Fotoserie Teil 1







Singles der Woche

Sia – Day too soon
Songschreiberinnenindiepopmusik ist wohl seit Hate Cash das ganz grosse Ding, um sich im Haifischbecken des MTV Kommerz über Wasser zu halten. Leider habe ich jedoch kein MTV und Radio hören tu ich auch nicht, aber dafür schneid ich alle neuen Sachen immer heimlich bei den grossartigen DeeJays mit, und press sie mir dann auf Single.
Dieser Song gefällt mir jedenfalls so gut, weil ich dazu betrunken wunderbar mitgröhlen kann. Drum habe ich ihn gleich auf pinkes Punkervinyl getan !
The Californians – The Cooks of Cake and Kindness
Eine der ersten Sixties – Nummern, die ich je gehört habe (auf dem legendären Rubbel-Sampler Numero 4), vor vielen Jahren, als ich noch nicht alt und hässlich war. Damals habe ich diesen debilen Mix aus hysterischem Gehechel und abgehacktem Gitarrengegniedel nicht kapiert. Dann habe ich Oma´s Mate-Tee ausprobiert und es hat sich immer noch nichts getan.
Erst als ich diesen Song dann mal betrunken angehört habe, sind mir die Augen aufgegangen ! Köche ! Kekse ! Nettigkeit ! Wahnsinn !

Eugene McGuiness – Bold Street/Hangman
zwei akustische Nummern, die so klingen, als wäre Syd Barrett aus der Gruft gekrochen und hätte sich entschlossen Belle and Sebastian Nummern zu kopieren.
Seltsame Sache, die ich, als musikalischer Banause irgendwie nicht einordnen kann.
Entrückte Geräusche, Harmonien aus altbekanntem britischen Hitmaterial und poetische Texte aus dem „kreativ schreiben" Kurs. Betrunken ergibt das ganze jedoch einen ganz anderen Sinn.

Ausgeh-Tipp der Woche – Die Skythen Ausstellung

Neulich wusste ich nicht, was ich tun sollte. Trottelspotting am Marienplatz ? Kasperltheater in der Oper ? Philosophenstammtisch beim Augustiner ? Langweilig, obsolet, gewöhnlich. Ich beschloss also dann sprechend, meine historischen Bildungsbreschen mit Wissenskleister zu kitten und machte mich frohgemut auf, den güldenen Wundern der reitenden Skythen, in der Hippie-Kunsthalle mein staunendes Auge zu widmen.
Was zeigten sich da mir, dem ergriffenen Besucher für glänzende Kästen gefüllt mit herrlichen Kleinodien, Geschmeide aus purstem Gold und filigran ziseliertem Zierrat aus längst vergangenen Epochen. Doch getrübt wurde der Blick auf das Schöne durch die Anwesenheit zahlloser akademischer Trottel, die Opern quatschend sich philosophisch dabei vorkamen. Aber was solls ? Drei Fliegen mit einem Billett erschlagen !