Es ist mittlerweile ja gang und gäbe, dass in Deutschland, dessen Einwohner es ohne jede Selbstironie als „Land der Dichter und Denker" bezeichnen, eine Vielzahl weltliterarischer Schriften nicht oder nurmehr sehr schwer erhältlich sind. Gerade die von mir hochgeschätzte Literatur des 19 Jahrhunderts fristet mittlerweile ein trauriges Dasein in den Verfügbarkeitslisten der Verlage. Eine Freude geradezu, dass sich nun der dtv getraut hat, Iwan Turgenjews Unheimliche Geschichten wieder zu veröffentlichen. Was soll ich gross zu diesem russischen Meister der Novelle verkünden, dessen Ruhm leider immer ein wenig hinter Tolstoi oder Dostojewskij zurückblieb...Ich kann nur sagen: Ich habe mir das Buch sofort erworben, bin nach Hause geflitzt, heim an den Kamin, respektive die brennende Mülltonne, habe mir einen steifen Wodkadrink gezaubert und bin hineingesunken in diese wundervolle, vergruselte Atmosphäre und meine Seele konnte erst in Frieden wieder ruhn, als meine fiebrige Hand die letzte Seite geblättert hatte und zittrigen Fingers den Deckel um die Seiten schloss.
